|
Bücher
Martin Heintel:
Regionalmanagement in Österreich
Professionalisierung und Lernorientierung. Abhandlungen zur Geographie und Regionalforschung Band 8 Institut für Geographie und Regionalforschung, Universität Wien, 2005, Paperback, CCCXX, 320 Seiten, 73 schwarz-weiß Abbildung(en), 9 schwarz-weiß Tabellen; Preis: 20 Euro; ISBN 3-900830-56-8
Die österreichische Regionalpolitik hat seit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union im Jahr 1995 zahlreiche neue Impulse aber auch viele Veränderungen erfahren. Wie für andere Länder auch besteht eines der Hauptprobleme regionalpolitischer Entwicklungsmaßnahmen darin, den fehlenden administrativen Bezugsrahmen auf Ebene der Region durch geeignete Koordinierungsprozesse und neue Institutionen abzudecken. Aus den Erfahrungen mit der „eigenständigen Regionalpolitik“ seit den frühen 1980er Jahren war in Österreich die maßgebliche Relevanz der unmittelbaren Regionsarbeit und der Vermittlerrolle von ergänzenden regionalen Betreuungseinrichtungen bekannt. Mit der deutlichen Ausweitung der EU-Regionalpolitik auf einen Großteil der Regionen Österreichs ist eine institutionelle Weiterentwicklung dieser Einrichtungen erforderlich geworden, die zur Etablierung des Systems des Regionalmanagements nahezu flächendeckend in ganz Österreich geführt hat.Martin Heintel hat sich in seiner Forschungsarbeit seit Jahren mit der Theorie und Praxis der Regionalpolitik im ländlichen Raum in Österreich auseinandergesetzt. Seine in diesem Buch zusammengefasste Studie, gibt einen Einblick in die Erkenntnisse aus der Arbeit des österreichischen Regionalmanagements an der Umsetzung der EU-Programme seit nunmehr mehr als 10 Jahren. Sie ist insofern von so wesentlicher Bedeutung, weil die Verankerung des Regionalmanagements in Österreich so weit verbreitet und akzeptiert wurde und damit für viele andere Länder beispielgebend wirken kann. Dabei wird in diesem Buch nicht nur auf die Entwicklung und die Darstellung praxisbezogener Beispiele eingegangen, sondern auch die theoretischen Grundbedingungen, Erfolgsfaktoren sowie Grenzen des Regionalmanagements diskutiert.
Regionalmanagements sind, nach diesem in Österreich weithin geteilten Verständnis, als intermediäre Einrichtungen zwischen Verwaltungs-, Markt- und regionalen Interessen zu sehen. Sie sind Ausdruck der Professionalisierung regionaler Entwicklung, die sich ausgehend von den frühen experimentellen Pilotaktionen hin zu einem auf alle Regionen angewandten Organisationsmuster mit regionalen Steuerungsaufgaben entwickelt hat. Professionalisierung beinhaltet demgemäß die Herausbildung eines immer stärker differenzierten neuen Berufsbildes mit einer zunehmenden theoretischen Unterstützung und Interpretation der (neuen) Formen der Kommunikation, Koordination und Kooperation auf regionaler Ebene.
Die zweite zentrale These, die sich durch dieses Buch zieht, ist der Beitrag des Regionalmanagements zu Lernprozessen, die für Veränderungen und das In-Gang-Setzen von regionalen Entwicklungsprozessen ausschlaggebend sind. In vielfältiger Weise werden die unterschiedlichen Ebenen, von individuellen Lernprozessen der regionalen Akteure bis hin zu regionalen Aspekten des Lernens, reflektiert. Nach wie vor treten aber beträchtliche Hindernisse in der Projektumsetzung auf. Hier werden auch die Grenzen dieser intermediären Ebene aufgezeigt: Die traditionellen Akteursmuster, die in Österreich weitgehend noch gegeben sind, können die häufig noch engen, geschlossenen regionalen Systeme kaum aufbrechen. Diese Ausweitung der regionalen Handlungsebene wird als wichtigster Aspekt für die Weiterentwicklung des Regionalmanagements erkannt. „War zu Beginn der Idee einer eigenständigen Regionalentwicklung oder der Sanierung alter Industriegebiete der räumliche Aktionsradius meist auf das unmittelbare Umfeld beschränkt, so gilt es heute, die Vermittlungsebene zwischen den Gemeinden der eigenen Region und zu anderen relevanten Bezugsräumen wahrzunehmen. … Regionales Entwicklungsmanagement bedeutet daher darüber hinaus, noch viel mehr als bisher von einem (engen) Regionsbezug zu einer globalen Sichtweise (vernetzter Kooperationsstruktur) zu wechseln.“
Gerade in der Diskussion der künftigen regionalen Förder- und Kooperationsprogramme ist dieses Verständnis regionaler Entwicklungsarbeit für eine problemadäquate Programmerstellung und langfristige Erfolge in den Entwicklungsbemühungen von entscheidender Bedeutung. Thomas Dax
|